ARZ
Nackter Wahnsinn
Hans, der Abenteurer, der in Deutschland an den zivilisatorischen Regeln scheitert, ist genau richtig in Kinshasa, der chaotischen, gefährlichen Hauptstadt des Kongo. Auch Albrecht Heise, der Autor, kommt dort gut zurecht. Heise ist Reporter, Dokumentarfilmer und ZDF-Korrespondent und war in diesen Eigenschaften schon viele Male in Afrika, auch in seinem gefährlichsten, aber faszinierenden Teil: eben dem Kongo. Albrecht Heise besucht seinen Freund Hans, den Lebenskünstler, der sich wohlfühlt in der Gesetzlosigkeit. Heise hat während der zehntägigen Visite Tagebuch geführt. Es ist eine Beschreibung und kenntnisreiche kurz gefasste Analyse des alltäglichen nackten Wahnsinns in dem Dauerkrisenstaat: Kriegsgewinnler - auch deutsche Firmen wie die Bayer AG werden genannt - treffen Glücksritter und Geldwäscher an den Bars der wenigen Hotels und schlürfen den Sundowner mit korrupten Politikern, die nach Wegen suchen, wie Hilfsgelder möglichst wundersam vermehrt in die eigenen Taschen umgeleitet werden können. Weit weg erfüllen Uno-Blauhelme mehr schlecht als recht ihr Mandat. Ab und zu werden westliche Politiker belächelt ob ihrer von keiner Sachkenntnis getrübten zaghaften, naiven Stellungsnahmen zum Land Mobutus, 1Cabilas und der vielen Kriegsherren. Das schmale, mit Episoden und Sarkasmen dicht gefüllte Bändchen schildert in anschaulichen Reportagen, wie ein Land sich dagegen wehrt, regiert zu werden und warum es mit dem neuerlichen Demokratisierungsversuch wahrscheinlich nichts wird. (arz)