Indaba
Ausgabe 51/06 (September 2006)
Bernd Ludermann (Hg.), Kongo. Geschichte eines geschundenen Landes. Weltmission heute 55 (Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Hamburg 2004). 238 Seiten.
Der alltägliche Ausnahmezustand. Kongo im Chaos.
Mit der Situation in der Demokratischen Republik Kongo befassen sich diese beiden Bücher. Bernd Ludermanns Sammelband, an die Tradition der immer gut brauchbaren Länderhefte des EWM anschließend, gibt einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Landes seit der Kolonialzeit und insbesondere über die aktuellen Ereignisse des Bürgerkriegs und der militärischen Interventionen der Nachbarstaaten seit 1996. Besonderer Wert wird dabei zu Recht auf die ökonomischen und strategischen Verflechtungen gelegt-der Reichtum des Kongo zugleich als sein Fluch.
Verständlicherweise liegt ein weiterer Schwerpunkt des Buches auf der Rolle der verschiedenen christlichen Kirchen, die zu den wenigen funktionierenden landesweiten Organisationen im Kongo zählen. Sie haben sich seit Anfang der 1990er Jahre für Demokratie und Frieden eingesetzt und stellen sich nunmehr die Aufgabe, im Wiederaufbau der DR Kongo das Erbe von Krieg, Diktatur und Mißwirtschaft zu bewältigen. Eine Reihe von Beiträgen befassen sich demgemäß mit den Schwierigkeiten dieser Wiederaufbaus sowie den verschiedenen Konzepten dabei.Völlig anders konzipiert ist der Reportageberichtvon Albrecht Heise,
eines bekannten ZDF-Reporters und Kongospezialisten, 1995 mit dem ersten Journalistenpreis Entwicklungshilfe ausgezeichnet. Heises Bericht ist leicht zu lesen, spannend und interessant, bleibt jedoch an der Oberfläche haften. Wenig an Einsicht in die tieferliegenden Ursachen der „chaotischen" Situation des Kongo (ist das mittlerweile nicht auch schon zum Stereotyp geworden, das entwicklungspolitisch reflektierte Berichterstattung besser vermeiden sollte?) wird vermittelt. Auch der Ausblick in die Zukunft des Landes bleibt demgemäß eher dürftig.